Mama`s Version:

Nach einer relativ schwierigen Schwangerschaft mit starken Heuschnupfen- und Asthmaattacken ging es am Dienstag, 25.07.2000 (wie gewünscht 2 Tage nach dem Entbindungstermin *fg*) mit dem Platzen der Fruchtblase los, wie bei Corinna ca. 5 Uhr morgens. Da die Geburt unserer zweiten Tochter relativ leicht und v.a. schnell (ca. 4 Stunden) ging war ich mehr voll Freude, Spannung und Erwartung als voll Angst vor der Geburt. Wenn schon die zweite Geburt so gut ging, dann kommt das dritte Baby noch schneller .... dachte ich wenigstens! Da Jochens Herztöne immer ganz schlecht zu kriegen waren, mußte ich fast die ganze Geburt im Liegen überstehen. Die letzte Stunde der Geburt war einfach nur furchtbar und ziemlich schmerzvoll; bei der vorletzten Wehe blieb Jochens Köpfchen stecken und zwei Wehen setzten einfach aus, aber dann war unser Söhnchen nach knapp 6 1/2 Stunden endlich da ! Kerngesund (Apgarwerte von 10/9/10) lag er auf meiner Brust, dann durfte Rudi die Nabelschnur durchschneiden, Jochen wurde versorgt, in warme Tücher verpackt und mir dann in den Arm gelegt. Ich hatte die ganze Schwangerschaft über irgendwo gaaaaanz tief in mir drin das Gefühl, daß irgendetwas nicht stimmt, obwohl bei den Vorsorgeuntersuchungen immer alles in bester Ordnung war, warum weiß ich selber nicht. Ich hatte mich in Gedanken auf ein  Down-Syndrom-Kind vorbereitet und war nun natürlich überglücklich, daß Jochen so gesund war. Naja, ein bißchen arg schlapp war er schon, hatte nicht mal die Kraft zu trinken und er war auch eher blau-grau als rosig, aber wir schoben das auf das Steckenbleiben und die Anstrengungen der Geburt.

Nach zwei Stunden, so gegen 16°° Uhr, kamen wir auf die Station und Jochen wurde mir weggenommen zur Untersuchung, zum Wiegen und Vermessen, Anziehen usw. und ich dämmerte so vor mich hin, als auf einmal eine Ärztin in blauer OP-Kleidung vor meinem Bett kniete und mich fragte, ob sie Jochen mit in die Kinderklinik nehmen durfte (zum Glück nur 2 Stock tiefer). Sie wollten Blut abnehmen, da er so blau sei und der Verdacht auf eine Infektion bestünde. Klar, daß ich mein Einverständnis gab! Als ich dann Jochen nochmal kurz anschauen wollte, sah ich grade noch die Ärztin mit einem Bündel auf dem Arm um die Ecke biegen. Dieses Bild werd ich wohl mein Leben lang nicht mehr vergessen!

Als ich bis 18°° Uhr immer noch nichts von der Kinderklinik gehört hatte und schreckliche Sehnsucht nach meinem Baby hatte ging ich einfach selber hinunter um nach Jochen zu sehen. Unten in der Kinderklinik wurde ich dann auf die Intensivstation geführt und mußte dort im Büro des Oberarztes kurz warten. Der kam auch kurz darauf und erklärte mir, daß Jochen einen angeborenen Herzfehler hätte, die Transposition der großen Arterien. Zum Glück im Unglück der einzige große Herzfehler, der mit einer Operation vollkommen korrigiert werden könne. Im Normalfall seien wir nach 10 - 14 Tagen wieder zuhause. Jochen würde schnellstmöglich nach München ins Deutsche Herzzentrum verlegt, wenn möglich mit Hubschrauber, da seine Sauerstoffsättigung beängstigend niedrig sei und er dringend eine Not-OP braucht. Mittlerweile war auch Rudi wieder da, (er mußte sich ja in der Zwischenzeit um die zwei Mädels kümmern!) Wir beide mußten noch fast eine Stunde warten, bis wir endlich zu unserem Baby durften, da Jochen wirklich sehr intensiv versorgt werden mußte.

Hier auf diesem Foto war Jochen gerade mal 4 Stunden alt!
 

Abends gegen 20 Uhr kam ein Hubschrauber mit zwei Ärztinnen des DHZM, sowie zwei Pflegern. Jochen wurde höchst vorsichtig in den Inkubator verlegt und neu verkabelt. Nach ca. 1,5 Stunden war er dann transportfähig und im Hubschrauber auf dem Weg nach München zur Not-OP.

Rudi fuhr am Mittwoch gleich ins DHZM um bei Jochen zu sein, ich mußte erst noch die Entlassung aus dem Krankenhaus regeln, Milchpumpe organisieren und unseren zwei Mädchen erklären, daß ich ohne Jochen heimkomme. Schon seit Wochen erzählte Michaela nichts anderes, als daß sie als allererste auf Mamas Bett sitzen darf und Jochen auf den Arm nehmen....... aber sie war sehr tapfer!

Am Donnerstag fuhren Rudi und ich dann gemeinsam nach München und ich durfte endlich wieder zu meinem Baby. Jochen lag schlafend in seinem Wärmebettchen, hatte nur eine Windel an und war voller Schläuche und Kabel. Er war intubiert, die Elektroden vom EKG klebten auf seiner Brust, er hatte einen Zugang an der Hand durch den 3 oder 4 verschiedene Infusionen in ihn hineinliefen. Sein Gesicht und seine Händchen waren ziemlich
aufgedunsen und geschwollen, aber durch die Rashkind-OP ging es ihm doch schon viel besser und er war auch nicht mehr so blau. Wir konnten ihn grade mal am Kopf und am linken Ärmchen streicheln. Ständig piepten die Monitore und Maschinen um ihn herum und immer war eine Schwester oder Ärzte da, die sich um ihn kümmerten.

An diesem Tag bekamen wir auch unser Zimmer im McDonalds-Haus Zuerst war ich schon etwas entgeistert... unser Kind liegt vielleicht im Sterben und ich soll an Hamburger denken??? Damals wußte ich noch nicht, daß McDonalds-Häuser Eltern-Kind-Wohnheime sind. Für diese Nacht fuhren wir nochmal gemeinsam heim, doch ab Freitag war unser Jochen nie mehr alleine.
 

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...Fortsetzung folgt......